CD
'Erich Kästner'

Chansons nach Texten von Erich Kästner

„Chansons nach Texten von Erich Kästner“

„… die neue CD, Chansons nach Texten von Erich Kästner von Anna Haentjens. Sie ist nicht süß, sondern eher bitter, voll Einsamkeit, Melancholie und Anklage. 18 Lieder ganz ohne Kuschligkeit. Ungefällig wie die Texte ist auch die Stimme, schräg, schrill, frivol. Und manchmal hauchig blass vor Sehnsucht und vor Traurigkeit. Die CD ist eine Mischung aus Hörspiel und Musik, voller nach Brecht-Art sprechgesungener Gedichte.“
(Dresdner Neueste Nachrichten – 3.12.2002)

Erich Kästner 1934
(1899-1974)

Edmund Nick 1932
(1891-1974)

Im Juni 1998 wurde während des 28. Schlesischen Musikfestes in Görlitz auch die Lyrische Suite in drei Sätzen „Leben in dieser Zeit“ von Erich Kästner und Edund Nick aufgeführt.

Ich freute mich über die Einladung, die in diesem Stück enthaltene Rolle der Chansonette übernehmen zu dürfen. Tags darauf gestalteten mein Kollege Sven Selle und ich im Rahmen des Musikfestes einen eigenen Abend mit Chansons von Edmund Nick.  A.H.

Wie Erich Kästner zu Edmund Nick kam

Im Mai 1924, bald nach der Gründung der ersten deutschen Sendeanstalt in Berlin, erhielt auch Breslau seinen eigenen Sender, dessen musikalische Leitung man dem Komponisten Edmund Nick übertrug.

Als im Jahr darauf der Posten des Literarischen Leiters besetzt werden musste, holte Nick den Schriftsteller Friedrich Bischof an den Sender, einen Mann, der von Anfang an ahnte, was mit diesem neuen technischen Medium anzustellen wäre: Hörfolgen und Hörspiele sollte es geben, poetisch sollten sie sein aber nicht verblasen, modern sollten sie sein, rasant wie die Zeit, in der man lebte, Tempo sollten sie haben.

Freilich suchte man nicht nach irgendwelchen Textern – es waren die Dichter, die man zur Mitarbeit aufrief. Fehlanzeige. Auf dieses unbekannte Terrain wollte sich so schnell keiner begeben.

Da schrieb Friedrich Bischoff sich seine Hörspiele selber und ließ sich von seinem „Hauskomponisten“ Edund Nick, quasi vom Nebenzimmer aus, vertonen. Eines davon, das 1929 entstand, hieß „Song“ und schien einen jungen Dichter namens Erich Kästner zum Mitmachen anzuregen. Jedenfalls kreuzte er im Herbst desselben Jahres am Breslauer Sender auf und präsentierte dort ein Manuskript, das er „Lyrische Suite in drei Sätzen“ nannte. Nick und Bischoff lasen es begeistert, fanden aber den Titel zu zahm. So wurde es von Bischoff umgetauft in „Leben in dieser Zeit“.

Edmund Nick begann sofort mit dem Komponieren der Texte. Bereits am 10. Dezember 1929 erfolgte die Uraufführung über den Sender. Bald gab es sowohl konzertante wie auch szenische Aufführungen an fast allen größeren deutschen Bühnen – bis 1933 die neuen Machthaber weitere Aufführungen des Werkes verboten.

Für Erich Kästner und Edmund Nick aber begann mit dieser ersten Zusammenarbeit eine lebenslange Freundschaft. Mit ihren gemeinsamen Chansons waren sie noch 1934/1935 (unter Pseudonym) im Berliner Kabarett „Die Katakombe“ vertreten, bis auch die „Katakombe“ von den Nazis geschlossen wurde.

Nach Kriegsende erschienen sie dann beide wieder vereint in den Programmen des Münchner Kabaretts „Die Schaubude“. Am Ende hatte Edmund Nick mehr als sechzig Chansons von Erich Kästner vertont.

Dagmar Nick

Anna Haentjens Gesang
Sven Selle Klavier

Aufnahmeort: Fasskeller „Feldtmann Kulturell“
Aufnahmedatum: Juli 2002
Aufnahmeleitung und Audiomastering: Volker Heitmann
© HAENTJENS Records 2002

Preis/pro Audio-CD: € 15,–
plus Versandkosten

Die Existenz im Wiederholungsfalle
Aus: Leben in dieser Zeit / Musik: Edmund Nick

Der Gesang vom verlorenen Sohn
Aus: Leben in dieser Zeit / Musik: Edmund Nick

Die Entwicklung der Menschheit
Aus: Gesang zwischen den Stühlen / Musik: Manfred Schmitz

Das Chanson für Hochwohlgeborene
Aus: Leben in dieser Zeit / Musik: Edmund Nick

Paralytisches Selbstgespräch
Aus: Herz auf Taille / Musik: Andreas Tarkmann

Große Zeiten
Aus: Nachlese / Musik: Andreas Tarkmann

Das Spielzeuglied
Aus: Der tägliche Kram / Musik: Edmund Nick

Fantasie von übermorgen
Aus: Lärm im Spiegel / Musik: Paul Dessau

Marschlied 1945
Aus: Der tägliche Kram / Musik: Edmund Nick

Die lustige Witwe
Aus: Der tägliche Kram / Musik: Edmund Nick

Eine Animierdame stößt Bescheid
Aus: Gesang zwischen den Stühlen / Musik: Jochen Breuer

Ball im Osten: Täglich Strandfest
Aus: Gesang zwischen den Stühlen / Musik: Jochen Breuer

Chanson von der modernen Kultur
Aus dem Film: Die Koffer des Herrn O.F. / Musik: Karol Rathaus

Junger Mann, 5 Uhr morgens
Aus: Gesang zwischen den Stühlen / Musik: Jochen Breuer

Frage an das eigene Herz
Aus: Ein Mann gibt Auskunft / Musik: Edmund Nick

Die Wälder schweigen
Aus: Nachlese / Musik: Manfred Schmitz

Herbst auf der ganzen Linie
Aus: Nachlese / Musik: Edmund Nick